Zur Produktion
Als 1936 „Der Weltuntergang“ von Jura Soyfer erschien, war Österreich politisch von unzähligen NSDAP-Mitgliedern unterwandert – und der Anschluss an Deutschland nur noch eine Frage der Zeit.
In diesen Wirren schrieb der damals 24-Jährige dieses kabaretthafte Theaterstück und schuf damit ein pechschwarzes, satirisches Zeitdokument, das sowohl die hohe Politik als auch die Welt des kleinen Mannes (und der kleinen Frau) gnadenlos parodiert. Bemerkenswert erscheint überdies, dass er in seinem Werk „Typen“ wie Donald Trump oder Elon Musk mit ihren zweifelhaften Aussagen und Taten auftreten lässt.
90 Jahre später finden sich Politik und Wirtschaft erneut am Scheideweg. Während sich 1936 Europa mit amerikanischen Zurufen im Mittelpunkt der österreichischen Wahrnehmung befand, ordnet sich derzeit die globalisierte Welt politisch neu. Wir Österreicher sind wieder zum Zusehen degradiert, was manchen populistischen Politikern auch bei uns erneut Publikum und Stimmen bringt. Heutige technische Möglichkeiten (auch in der modernen Kriegsführung) waren zu Jura Soyfers Zeit bestenfalls Utopie (obwohl er 33 Jahre vor der Mondlandung in diesem Stück bereits eine Rakete starten ließ), die Möglichkeiten und vor allem die Gefahren von sozialen Medien, von hybrider Kriegsführung und von perfektionierter Desinformation undenkbar.
Diese Gegebenheiten – sowie unser Konzept des Stationentheaters – veranlassten mich, das Original zu überarbeiten und aktuelle Bilder und Menschentypen hinzuzufügen. So sind manche Szenen nahezu unverändert geblieben, einige mehr oder weniger sanft ins Heute übertragen und zusätzlich ist viel Neues ergänzt, alles satirisch und mit schwarzem Humor gewürzt. Die geniale Grundidee habe ich beibehalten: Was passiert, wenn man plötzlich erfährt, dass in drei Monaten ein riesiger Komet auf die Erde stürzen wird?
1939 – drei Jahre nach der Veröffentlichung von „Der Weltuntergang“ – starb Jura Soyfer im KZ Buchenwald an Typhus. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete das Naziregime unter Adolf Hitler schon intensiv daran, tatsächlich unsere Welt untergehen zu lassen. Es ist ihnen nicht gelungen.
Thomas Koller
(Autor, Regisseur und Produktionsleiter)